Chronik

Ein Reitverein wird gegründet... 

Es gab in Dinkelsbühl immer wieder Bemühungen, mit einer relativ kleinen Zahl von Gleichgesinnten einen Reit- und Fahrverein zu gründen. Nach einigen verfehlten Anläufen gelang es dann am 07.08.1966 eine Reitergruppe aus der Taufe zu heben. Am 15.08.1966 schlossen sich die 15 Mitglieder als Reitergruppe Dinkelsbühl dem Patenverein Reit- und Fahrverein Feuchtwangen an. Im alten Eber- und Ziegenstall im Muckenbrünnlein, der als „Bullenstall“ bekannt war, wurden noch im selben Jahr sieben Einstellplätze in Eigenregie gebaut. Unterstützt wurde das damalige Bauvorhaben durch den Bürgermeister Herrn Dr. Höhenberger und den Oberamtmann Härtlein. In kurzer Zeit war der Stall voll belegt. Ein besonders wertvolles Startkapital erhielt die Reitergruppe durch die Spende von Herrn Kaufmann. Er stellte eine größere Summe zur Verfügung, damit das Festspiel „Die Kinderzeche“ zwei Pferde anschaffen konnte, mit der Maßgabe, der Gründung eines Reit- und Fahrvereins in Dinkelsbühl. Schon im Mai kauften Mitglieder der Reitergruppe in Absprache mit dem Festspielausschuß zwei Pferde, die im Festspiel zum Einsatz kommen sollten, während der übrigen Zeit aber der Reitergruppe Dinkelsbühl zur Verfügung standen. So hatte der Landwirt Willy Bayer, der die Pferde im Vereinsstall seit damals 20 Jahre lang betreute, die ersten Schulpferde im „Bullenstall“. 

Das Pferd Seydlitz, Johann genannt, lebte bis 1982 und viele der jetzt aktiven Reiter verdienten sich ihre ersten Sporen auf ihm. Das zweite Pferd, Bubi, mußte 1966 leider infolge einer Krankheit ausgetauscht werden. Für ihn kam der Fuchswallach Astor, der dem Verein und der Kinderzeche bis 1974 zur Verfügung stand. 1966 wurde auch das erste vereinseigene Pferd gekauft. Jupiter führte große Reihe von Schulpferden an. Eine Ausbildung wurde allerdings erst durch den Ausbau des Geländes im „Schatten“ möglich. Die ermöglichte einen geregelten Reitbetrieb vom Frühjahr bis in den späten Herbst. Im Winter beschränkte sich die Ausbildung auf Ausritte ins Gelände. In dieser Zeit haben sich besonders Georg Kochendörfer und Richard Kränzlein mit um die Ausbildung der Jugendlichen und der reitbegeisterten Erwachsenen gekümmert. 1966 erlebte Dinkelsbühl die erste Pferdeleistungsschau, ein für die Reichsstädter bis dahin einmaliges reit- und fahrsportliches Erlebnis. Ausgerichtet wurde dieses Turnier vom Reit- und Fahrverein Feuchtwangen, zusammen mit der Reitergruppe Dinkelsbühl. Weit über 100 Pferde gingen an den Start. Die Zuschauer sahen Leckerbissen wie eine Hohe Schule und ein L/M-Springen. Die Prüfung für Wagenpferde begeisterte die Richter so, daß alle teilnehmenden Gespanne mit Goldschleifen ausgezeichnet wurden. 1968 war es dann soweit. Auf einer Mitgliederversammlung am 15.05.1968 beschlossen 40 Anwesende den alten Beschluß, einen eigenständigen Verein zu gründen, in die Tat umzusetzen. In den Jahren 1967 bis 1970 konnte, um einen Reitbetrieb zu ermöglichen, auf das Anwesen „Teichgut Freundstal“ ausgewichen werden. Der Besitzer, Her Werdin, stellte seine Halle freundlicherweise zur Verfügung. Es zeigte sich jedoch bald, daß das ein untragbarer Zustand war, da der Anritt über eine Bundesstraße erfolgen mußte. Es folgte eine intensive Suche nach einem geeigneten Gelände zur Erstellung einer Reitanlage.

Eine Reitanlage entsteht...

Nach über einjährigen Verhandlungen unter der Federführung es 2. Bürgermeisters, Herrn Heinrich Schabert, konnte der Vorsitzende seinen Mitgliedern am 06.07.1970 die erfreuliche Mitteilung machen, daß von der Stadt Dinkelsbühl die Zusage für ein Grundstück rechts der Rudolf-Schmidt-Straße mit 9000 qm im Erbbaurecht vorliegt.

Die Reitanlage am „Fichtelbuck“ sollte in drei Bauabschnitten erstellt werden. Die Planung wurde von Herrn Stadtbaumeister Geißler nach den Vorstellungen des Vereins erstellt. Der 1. Bauabschnitt, die 20x40 m große Reithalle war noch für das laufende Jahr geplant. Es wurden verschiedene Hallen besichtigt, schließlich entschloß man sich für eine Halle der Firma Deuter in Augsburg.

Der spätere Vorsitzende, Günther Krehn, übernahm die Gesamtbauleitung. In knapp acht Tagen war das abschüssige Gelände in den Zustand versetzt, daß die Halle, der offene Reitplatz und ein Springgarten erstellt werden konnte. 

Im Eiltempo mußte die Straße zum Antransport gerichtet werden. Etwa 70 LKW-Ladungen Schotter und Wegebaumaterial wurden angefahren und verarbeitet. Die verfügbaren Geldmittel waren sehr bescheiden und nur durch großzügige Spenden von Firmen und privaten Sponsoren war die Auftragserteilung für den Bau der Reithalle möglich. Im Dezember 1970 wurde die Konstruktion der Reithalle angeliefert und der Bau konnte trotz erheblich notwendiger Erdbewegungen, schwieriger Liefertermine und schlechter Witterung mit vereinten Kräften fertig gestellt werden.  

Die ursprünglich erteilte Zusage für einen Baukostenzuschuss und Bereitstellung eines zinsgünstigen Darlehens durch den BLSV wurde aufgrund zwischenzeitlich vermehrt eingegangener Anträge zurückgezogen bzw. auf einen späteren, nicht definierten Zeitpunkt verschoben.  

Hier zeigte sich, was es heißt, wenn Mitglieder eines Vereins zusammenhalten. Fünf Vereinsmitglieder übernahmen entsprechende Bürgschaften damit bei der Bank Geld beschafft werden konnte um die Baumaßnahme weiter zu finanzieren.  

Jetzt konnte endlich planmäßiger und systematischer Reitunterricht erteilt werden. Richard Bößhenz meinte damals: „Die Zeiten, da Reiten nur der High Society vorbehalten war, gehören der Vergangenheit an.“ Willy Bayer, von der ersten Stunde an mit dabei, übernahm neben seinen Aufgaben als Futtermeister, die Tätigkeit des Reitlehrers, ohne Entgelt. In dieser Zeit schloss sich auch der Reiterclub Dinkelsbühl dem Verein an.

Die Pferde standen allerdings immer noch im alten Stall im Muckenbrünnlein, der auch nicht mehr genügend Platz bot um allen Reitbegeisterten einen Platz für ihre Pferde zu bieten. Familie Bößhenz stellte in dieser Zeit dankenswerterweise ihren Stall in der Rudolf-Schmidt-Straße zur Verfügung.  

Damit der gefahrvolle Anmarschweg zur Reithalle wegfallen konnte, war jetzt der Bau eines Stalles vorrangig. Nachdem die finanziellen Probleme überschaubar waren, wurde im Jahr 1971 ein Stall für 20 Pferde gebaut.  

Mit Genugtuung stellt der Vorsitzende fest: „Das Jahr 19971 wird in die Geschichte des Dinkelsbühler Reitsports eingehen. Es sind die Weichen gestellt, daß sich in Dinkelsbühl der Reitsport zum Breitensport entwickeln kann.“  

Durch die positive Entwicklung des Vereins wurde es Anfang der 80-er Jahre unumgänglich, über eine Erweiterung der Stallanlage nachzudenken.

1981 wurden Stellplätze für weitere 6 Pferde, sowie ein Rauhfutterlager und ein Reiterstüble gebaut. In den folgenden Jahren konnte der endgültige Ausbau des Springgartens, des Dressurplatzes und der Endausbau der Straße geschafft werden.  

Mit dem Bau der Remise zur Unterbringung von Hindernissen, Fahrzeugen und sonstigen Gerätschaften war der gewünschte Endzustand der Reitanlage erreicht.